Ausbildung

Ausbildung

Im dem von uns betriebenen Gebrauchshundesport geht es vor allem darum, den geführten Hund zu einem absolut sicheren, zuverlässigen und auch in Extremsituationen völlig gehorsamen Begleiter zu trainieren.

Im VPG-Bereich (VPG: Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde) geführte Hunde sind daher meistens wesentlich selbstsicherer, ruhiger und besser zu führen als ihre nicht ausgebildeten Artgenossen. Heute bildet man die Tiere immer mehr ausschließlich über Motivation und Spiel ohne wesentlichen Druck aus.

Der Hund im Sport lernt nicht, wie oft falsch dargestellt, einen Menschen zu beißen, sondern kann seinen Beutetrieb artgerecht ausleben. Im Sport werden die Hunde ausschließlich auf den Ärmel des Helfers fixiert; ausserhalb des Hundeplatzes und ohne den Ärmel wird ein ausgebildeter Sportschutzhund keinen Menschen angreifen -im Gegenteil. Er reagiert laut Statistiken wesentlich nervenfester auf neue, ungewohnte Situationen.

Einleitung

In unserer Ortsgruppe beschäftigen wir uns vorwiegend mit der Ausbildung von Deutschen Schäferhunden im Rahmen der vom Verein für Deutsche Schäferhunde SV e.V. herausgegebenen Prüfungsordnung.

Es ist unser Ziel, gehorsame, belastbare, triebvolle und wesensfeste Hunde zu Gebrauchshunden auszubilden, da wir gegenüber der Öffentlichkeit eine große Verantwortung tragen und keine "Kampfhunde" erziehen. Der Übungsbetrieb wird deshalb von besonders kompetenten und verantwortungsbewussten Ausbildern und Schutzdiensthelfern geleitet.

Allgemeines

Vor der ersten Gebrauchshundeprüfung ist eine Begleithundprüfung (BH) abzulegen.
Jede Gebrauchshundeprüfung gliedert sich unabhängig von der Stufe in die drei Disziplinen:
Fährtenarbeit - Unterordnung - Schutzdienst.
Als weitere Spezialprüfung wird die Fährtenhundprüfung angeboten.
Um die Hunde nicht zu früh zu fordern und ein artgerechtes Heranwachsen zu gewährleisten, wurde pro Prüfungsstufe ein Zulassungsalter wie folgt festgelegt:

  • 15 Monate für die Begleithundprüfung
  • 18 Monate für die IPO A/IPO I
  • 19 Monate für die IPO II
  • 20 Monate für die IPO III
  • 16 Monate für die Fährtenhundprüfung 1
  • 20 Monate für die Fährtenhundprüfung 2
  • Für jeden neuen (und oft auch langjährigen) Hundebesitzer stellt sich irgendwann die Frage, wie er denn seinen Hund ausbilden soll.
    Dieser Punkt kann hier sicher nicht abschließend und umfassend behandelt werden. Wir wollen aber trotzdem versuchen, einen Einstieg in die Wahrnehmungs- und Begriffswelt unserer Hunde zu schaffen, um den Einstieg in die Praxis zu erleichtern.

Sinne und Triebe

Hunde leben in einer anderen Wahrnehmungswelt als wir Menschen. Das hängt mit der unterschiedlichen Gewichtung der einzelnen Sinne zusammen. Hunde gehören in die Gruppe der Makrosmaten oder sog. Großriecher. Dieser Ausdruck wird deutlicher, wenn man weiß, dass z.B. Menschen ca. 5 Mio. Riechzellen, das sind etwa 5 cm² Riechfläche, und Schäferhunde 230 - 300 Mio. Riechzellen, das sind ca. 1500 cm² Riechfläche, haben.
Die Wahrnehmungen der Menschen erfolgen in folgender Reihenfolge der Sinne: Auge - Ohr - Nase. Hunde nehmen in der Reihenfolge Nase - Ohr - Auge wahr. Diese Aussage können Sie an sich selbst und Ihren Hunde kontrollieren. Gehen Sie einmal in einen fremden Raum und überprüfen im Nachhinein Ihr Verhalten. Sie werden feststellen, dass Sie sich zuerst umgesehen und dann auf eventuelle Geräusche oder Gerüche reagiert haben. Hunde werden in gleicher Situation zuerst mit der Nase an Boden, Möbeln u. ä. herumschnüffeln, und erst dann auf Laute und Gesichtsreize reagieren.
Die hochentwickelten Sinne hat sich der Mensch schon zu Urzeiten nutzbar gemacht und im Hund einen Jagdgenossen, Beschützer der Herden usw. gefunden.

Es gibt aber neben den Sinnen noch einen weiteren Komplex, nämlich die Triebe, die das Leben der Hunde steuern. Zu diesen Trieben gehören u. a.: Rudeltrieb, Beutetrieb, Wehrtrieb, Futtertrieb, Geschlechtstrieb und Fluchttrieb oder Meideverhalten. Es ist für jeden Hundehalter wichtig, sich mit diesen Trieben auseinander zu setzten, da sie das Leben der Tiere maßgeblich beeinflussen und Handlungen direkt steuern können. Durch die Kenntnis der durch Reize ausgelösten Triebhandlungen können in vielen Fällen Konflikte, es sei denn man provoziert sie bewusst, vermieden werden. So kann z. B. ein fallendes oder weglaufendes Kind oder auch ein Erwachsener bei Hunden den Beutetrieb auslösen, weil der Hund im Ursprung als Beutegreifer Wolf darauf angewiesen war, auf jede Fluchtbewegung von in der Größe passenden Beutetieren zu reagieren. Dieser Beutetrieb ist nach wie vor in allen Hunden, vom Pekinesen bis zum Wolfshund, vorhanden.
Doch besprechen wir die Triebe der Reihe nach.

Zuerst zum Rudeltrieb

Dieser ist kein echter Trieb sondern eine in der Erbmasse festgelegte Verhaltensweise, die unsere Hunde von ihren Urahnen, den Wölfen, mit einer Reihe sozialer Verhaltensweisen und Eigenschaften geerbt haben, die auch in unseren heutigen Haushunden noch sehr lebendig sind.
Wolfsrudel und auch wilde Hundemeuten unterliegen einer extrem strengen Rangordnung.
Das ranghöchste Tier eines Rudels, das sogenannte Alpha-Tier, ist auch gleichzeitig der unumschränkte Herrscher über die anderen Tiere des Rudels, in dem jedes Tier seinen Rang bekleidet. Die Rangfolgen werden in der Regel durch mehr oder minder intensive Kämpfe festgelegt. Diese Tatsache haben wir auch bei der heutigen Hundehaltung und -ausbildung zu berücksichtigen.
Es ist in jedem Fall darauf zu achten, dass der Hund, egal welcher Größe und Rasse, nie zum Rudelführer aufsteigt oder dem Rudelführer (Mensch) die Top-Position im “Rudel” Mensch - Hund streitig macht. Das würde dazu führen, dass der Hund seine Position als Rudelführer rigoros beanspruchen und verteidigen würde. Die Folgen, besonders bei großen Hunden, sind absehbar und brauchen wohl nicht näher erläutert werden.
Nun zu den echten Trieben:

Beutetrieb

Der Beutetrieb wird durch sogenannte Schlüsselreize (Hasen sehen und Verfolgung aufnehmen) ausgelöst und gehört zu den Ermüdungstrieben, d.h. er ist nur für relativ kurze Zeit (ca. 2-4 Minuten) aktivierbar. Für die Ausbildung ist er sehr wichtig, da er zur Bestätigung und Belobigung nach gut ausgeführten Arbeiten dient (z.B. werfen eines Balles oder Stöckchens).

Wehrtrieb

Der Wehrtrieb gehört zu den jederzeit aktivierbaren Trieben und kann über längere Zeit aufrecht erhalten werden, wenn sich der Hund einer für ihn bedrohlichen Situation ausgesetzt sieht.
Er wird bei unserer Schutzdienstausbildung bewusst provoziert und bei richtiger Anwendung in zielgerichtetes Verhalten (Biss in den gepolsterten Ärmel/Beute) umgesetzt.

Futtertrieb

Der Futtertrieb als solches bedarf wohl keiner näheren Erklärung.
Bei unserer Ausbildung wird er vorwiegend bei der Fährtenarbeit und als Belohnung bei den Gehorsamsübungen benutzt.

Geschlechtstrieb

Ist für die Ausbildung ohne Bedeutung, wirkt jedoch äußerst störend bei Rüden, wenn eine heisse Hündin in der Nähe ist.
Heisse Hündinnen reagieren oft anders, als zu Zeiten außerhalb ihrer Zyklen.

Fluchttrieb oder Meideverhalten

Mit diesem Verhalten bezeichnet man das Ausweichen des Hundes vor einer drohenden Gefahr (Angriff eines stärkeren Gegners). Bei unserer Ausbildung ist das Meiden des Hundes vor dem HF, z.B. vor Zwängen bei der Unterordnung, häufig auf falsch dosierte, zu harte Einwirkungen zurückzuführen. Dieses Verhalten ist nur sehr schwer und mühevoll zu revidieren, da man sich als HF das verlorene Vertrauen des Hundes wieder erarbeiten muss. Sensible Hunde können dieses Verhalten zu jeder Zeit wieder zeigen.

Lern- und Sozialverhalten

Wie schon beim Rudeltrieb erwähnt, ist das Sozialverhalten innerhalb einer Meute absolut hierarchisch aufgebaut. Es ist also für Hunde total normal, wenn sie sich dem Rudelführer unterordnen müssen oder für "Fehlverhalten" bestraft werden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Hunde nicht im menschlichen Sinne denken können, sondern nur durch ständige Wiederholungen mit den damit verbundenen Einwirkungen, wie Lob für gewünschtes und Tadel für unerwünschtes Verhalten.
Es ist also sehr wichtig, dass der HF ganz bewusst und gezielt auf die im Rahmen der Ausbildung angestrebten Verhaltensweisen reagiert. Unerwünschtes Verhalten ist sofort zu bestrafen, während der Hund für richtiges Verhalten umgehend zu belohnen ist. Wer unbeherrscht oder gestresst die Ausbildung betreibt, riskiert dass der Hund das bereits angesprochene Meide- oder Fluchtverhalten annimmt, das in der Regel lange nachwirkt und nur schwer restlos auszumerzen ist. Wir legen deshalb größten Wert darauf, dass alle Hundeführer sehr rational vorgehen und mindestens die Bestrafungen auf Psyche, Verfassung und Ausbildungsstand ihres Hundes abstimmen. Belohnungen zum falschen Zeitpunkt festigen zwar Fehlverhalten, sind aber wesentlich leichter zu korrigieren als umgekehrt.
Nur wer voll konzentriert und rational Ausbildung betreibt, wird in der Regel auch die angestrebten Erfolge im Rahmen seiner Möglichkeiten und die seines Hundes erzielen.

Wir wünschen dabei viel Erfolg

Ihr Team der OG Hofheim a.Ts. e.V.